Im September 2026 steht fest: 17 Kommunen im Landkreis Leipzig und nochmal fast genausoviele im Landkreis Nordsachsen haben Ihre Wärmeplanung abgeschlossen. Auch die Stadt Leipzig hat den 4 Jahre andauernden Prozess nun zum Stadtratsbeschluss gebracht. Jetzt stellen sich alle die Frage nach der Umsetzung und damit den Fortschritten bei der Wärmewende insgesamt.

Berichte aus den Kommunen

  • Stadt Böhlen
    • hat von 06.24 bis 07.25 im 6 Konvoi-Kommunen ihren kommunalen Wärmeplan erhalten
    • besondere Herausforderung in Böhlen ist der parallele Ausstieg aus kohlebasierten Fernwärmeversorgung mit der Stadt Leipzig
    • Ergebnisse der Wärmeplanung zeigen: bestehendes Netz ist ausbaufähig aber Priorität liegt auf Neubau eine 5 GW Heizzentrale, die den Anforderungen an die CO2-Neutralität erfüllt. Aktuell plant man mit 3 Großwärmepumpen + 2 Pelletkessel
    • Für die Investitionssicherheit hat sowohl Stadtverwaltung (mit 8 Gebäuden mit Fernwärmeanschluss) als auch Wohnungsgesellschaften neue Fernwärmeverträge abgeschlossen
    • mögl. Inbetriebnahme: Ende 2027 / Anf. 2028 - bis dahin wird mit Öl geheizt
    • perspektivisch haben noch einige Mehrfamilienhäuser eine Anschlussmöglichkeit, wenn das Netz erweitert wird, es gibt aber kein Anschlussgebot
    • Aktivitäten und Kommunikation zu Heizzentrale und Netzaus-/ Umbau liegt beim Netzbetreiber
  • Stadt Leipzig
    • Aktuell ca. 1/3 des Stadtgebiets mit Fernwärme erschlossen - Ziel schrittweiser Ausbau bis mind. 50% Netzabdeckung
    • der Wärmebeirat, welcher schon die Wärmeplanung begleitet hat wird in der Umsetzung weiter fortgesetzt
    • Neue Wärmebereitstellung durch Heizkraftwerk Süd (Gas); Solarthermieanlage Lausen; 
      im Bau: Abwärme aus Leuna ab 2028; untersucht: Abwärme aus Klärwerk Rosenthal & 
      Tiefengeothermie
    • Mehrwert beim Netzausbau: gegründete Quartiersentwicklungsgesellschaft stellt sicher, dass mit Infrastrukturausbau unterirdisch auch die Lebensqualität oberirdisch verbessert
    • es gibt mehrere Projekte zu Beteiligung, Kommunikation & Beratung um Wärmewende so bürgernah wie möglich durchzuführen
  • KEEN Leipziger Land mit Elstertrebnitz, Markranstädt, Trebsen, Colditz, Bad Lausick
    • Analysephase mit Fokus auf Wärmebedarf und Potenziale EE zur Deckung abgeschlossen
    • Jede Kommune nannte 2 Fokusgebiete, die auf verschiedene Wärmenetzlösungen analysiert wurden
    • in jeder Kommune findet sich eine Netz-Lösung, die ohne Förderung von sich aus tragfähig sein könnte - Grundlast wäre über Wärmepumpen aus Erd- oder Flusswärme, Spitzenlast über Heizstäbe möglich
    • Preise zwischen 19 und 24 ct/kWh Gestehungskosten sind perspektivisch wohl konkurrenzfähig mit dezentralen Lösungen
    • jetzt offene Frage: Wer machts? Die Kommunen sehen keine Möglichkeit für kommunale Unternehmen. - Bis Projektabschluss werden Umsetzungsperspektiven erarbeitet
  • Weitere Kommunen
    • es finden teils bereits Machbarkeitsuntersuchungen statt bzw. es werden Quartierskonzepte angebahnt - weitere Berichte liegen der Gruppe hierzu nicht vor

Fazit

  • Folgende Punkte erscheinen nun besonders relevant:
    1. Transparenz und offene Kommunikation - öffentliche Pläne ersetzen nicht die Verantwortung der Gebäudeeigentümer
    2. Variantenvergleiche - nur wenn dezentrale Lösungen den Netzlösungen gegenübergestellt werden, kann man eine fundierte Entscheidung treffen
    3. lokale gegründete Gesellschaftsformen - könnten die Interessen vor Ort gut berücksichtigen und Kosten senken, benötigen jedoch Know-How und Anschubhilfe
    4. Wertschöpfung steigern - der Ort profitiert dann am meisten, wenn Bauleistungen einfach gehalten und von lokalen Firmen erbracht werden und z.B. Hackschnitzel aus Landschaftspflege und Forstwirtschaft bezogen werden
  • Beispiele aus Deutschland, in denen auch kleine Orte mit Wärmenetzen ihre Versorgung sicherstellen