Am 30.08.2025 fand die KlimaFAIR bereits zum 6. Mal auf den Leipziger Marktplatz statt. Zum Thema „Kommunale Wärmewende“ diskutierten mit der Moderatorin Bettina van Suntum (Umweltbundesamt, KlimaFAIR): 

  • Dirk Panter, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit, Energie und Klimaschutz (SPD)
  • Karsten Rogall, Geschäftsführer Leipziger Stadtwerke, Vorsitzender VUK Landesgruppe Sachsen
  • Kerstin Kranich, Energieberaterin/Prokuristin BCC-Energie, Scientists for Future Leipzig
  • Michael Neuhaus, Teamleiter im Kompetenzzentrum Wärmewende, Kommunalpolitiker Leipzig (DIE LINKE)
  • Gesine Sommer, Leiterin Stabstelle Landkreis Leipzig 

Der Mitschnitt ist auf Youtube Online: Kommunale Wärmewende in Leipzig - Infos zur KlimaFAIR 2025 erfahren Sie hier: https://leipzigfuersklima.de/klimafair-2025/

Warum steht die Wärmewende aktuell so im Fokus?

  • Minister Panter: Die Welt hat sich auf konkrete Klimaschutzziele verständigt. Damit die vermeidbaren Kosten des Klimawandels eingespart und die unvermeidbaren Kosten zur Verfügung stehen, ist das Energiesystem umzustellen. Dabei sollte man nicht länger abwarten.
  • Fr. Kranich: Wenn fossile Energieträger nicht mehr verfügbar sind bzw. immer teurer werden, hat man zahlreiche Optionen im Bereich erneuerbarer Energien. Diese werden jetzt untereinander verglichen, damit Schritt für Schritt eine planvolle Umstellung gelingt.
  • Hr. Neuhaus: Wärmeversorgung aus Kohle hat eine klare Frist: 2035. Das Geld, das bislang an den Kraftwerksbetreiber geflossen ist, kann über die Stadtwerke Leipzig nun in der Kommune bleiben.

Kann der Landkreis Leipzig von der Vorgehensweise in der Stadt Leipzig lernen?

  • Hr. Rogall: Die Leipziger Stadtwerke betreiben bereits ein neues Wärmekraftwerk, bauen Deutschlands größtes Solarfeld mit Wärmekollektoren und planen eine neue Wärmeleitung zum Industriepark Leuna
  • Fr. Sommer: In den 30 Kommunen des Landkreis Leipzig sind eigene kommunale Stadtwerke die absolute Ausnahme. Der Wärmebedarf ist bei weitem nicht so dicht geballt, wie in den Stadtquartieren Leipzigs.
    Jede Kommune muss einen individuellen Weg auf Basis mehrerer Technologien finden. Dabei sollte man jetzt die Rahmenbedingungen schaffen und sich gemeinsam als Region Leipzig identifizieren. 
    Das Landratsamt hilft mit der Stabbstelle Wirtschaftsförderung / Kreisentwicklung, die Anliegen zum Thema Wärmewende zu bedienen, weil die Vielfalt an Möglichkeiten und Regelungen in der mitunter kleinteiligen Struktur des Landkreises schwierig zu durchschauen ist. 

Wird heizen zukünftig teurer?

  • Hr. Rogall: "Ja, all das, was wir uns vorgenommen haben, also Erneuerbare Energien, Stromnetze, Fernwärmenetze, Speicher, kosten viel Geld - aber nicht unseren Wohlstand."
    "Deswegen wird die Wärme nicht weniger kosten als heute, aber es gilt, den sonst zu befürchtenden Anstieg der Wärmekosten aus Gas und Öl zu dämpfen."
  • Fr. Sommer: Im Landkreis kommt es sehr auf den verfügbaren Mix potenzieller Energiequellen an. Aktuell ist nicht überall klar, wer die Projekte tragen wird und mit welchen finanziellen Mitteln diese ausgestattet werden.

Ist die Wärmewende sozial gerecht?

  • Hr. Neuhaus: Das Wärmeplanungsgesetz sieht vor, dass die Versorgungsvariante bevorzugt wird, für die die günstigsten Kosten zu erwarten sind. Soziale Aspekte, also mitunter regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze spielen hierbei zunächst keine Rolle.
    Ohne einen Akteur, der in zentrale Wärmelösungen investiert, also ganze Quartiere oder Stadtteile versorgt, wird sich jeder Gebäudeeigentümer selbst um energetische Sanierung und Gebäudeeigene Heiztechnik kümmern müssen. Das kann mitunter wesentlich teurer sein, hängt aber von vielen Faktoren ab, die die Wärmeplanung beleuchten soll.
    Die soziale Gerechtigkeit hängt auch von der Renditerwartung des Investors ab. - Wenn man Wärme als Daseinsvorsorge versteht, kann man auch Wege finden, die keiner Gewinnmaximierung unterliegen. 

Hintergrund: Der aktuelle Stand der „Kommunalen Wärmewende" im Landkreis Leipzig

In den vergangenen Wochen und Monaten hat man nicht nur in Leipzig zur kommunalen Wärmewende debattiert. In Leipzig haben Stadtverwaltung und Stadtwerke ihren aktuellen Projektstand in verschiedenen Gremien und der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Beschlüsse des Leipziger Stadtrats zum Ausstieg aus der Wärmeversorgung durch das Kraftwerk Lippendorf wirken sich auch auf die Versorgungssicherheit weiterer Städte aus. 

  • 16 von 30 Kommunen erstellen bereits ihren Wärmeplan mit 100% Förderung des Bundes
  • 12 eher kleine Kommunen haben bereits Abstimmungen zu Konvoi Verfahren gemacht, möchten also in das Planungsverfahren einsteigen
  • das Landratsamt bietet an, Konvoi Verfahren für kleine Kommunen zu koordinieren -> Zeithorizont ab Mitte 2026 bis Ende 2027

Ausblick: Praktische Ansätze aus Perspektive der Kommunalverwaltung

Das Problem im ländlicher Raum: Der Mehrwert der Wärmeplanung ist für ländliche Gebiete fraglich: die eher oberflächliche Analyse definiert nahezu flächendeckend „Wärmepumpengebiete“ und betrachtet die wenigen tatsächlich interessanten Standorte für eine gemeinsame Wärmeversorgung selten tief genug, um eine Entscheidung anzubahnen. Daher findet man im Landkreis Leipzig eigene Strategien, um mit der Planung dennoch weiter zu kommen:

  • parallel laufendes Projekt „KEEN Leipziger Land“ mit 6 Kommunen, die Machbarkeitsuntersuchungen für konkrete Investitionen erstellen
  • Erfahrung ganz aktuell: großes Interesse an pragmatischen Lösungen für kommunale Liegenschaften im Verbund inkl. der benachbarten (privaten) Gebäude
  • Problem ländlicher Raum: saisonale Wärmespeicher machen nur Sinn, wo viele Verbraucher dran hängen. In Dorfstrukturen gibt es dafür wahrscheinlich keinen klassischen Investor – es ist also die „Dorfgemeinschaft“ gefragt, um eine Wärme-Genossenschaft zu gründen
  • ein Projekt der unter der Überschrift "Bürgerenergie Landkreis Leipzig" zur Anbahnung und Beratung gemeinschaftlicher Projekte ist in Vorbereitung
  • es braucht daneben eine systematische Betrachtung des gesamten Energiesystems der Zukunft – Strom, Wärme, Kraftstoffe – schlichtweg weil in Zukunft fast alles über das Stromnetz abgewickelt werden wird. Das heißt: das Stromnetz ist quasi flächendeckend auszubauen – und das ist im ländlichen Raum überproportional teuer