Der demonstrative Ansatz: Monitoring unter Realbedingungen

Für das Pilotprojekt installiert die Firma Climatech eine kompakte Monitoring‑Infrastruktur bestehend aus Temperaturfühlern, einem Zentralrechner und einer Datenerfassungseinheit. Über mindestens sechs Monate – von der Inbetriebnahme im Herbst 2025 bis zum Frühjahr 2026 – werden Temperaturdaten automatisiert aufgezeichnet und anschließend ausgewertet.

Der Ansatz verfolgt mehrere Ziele:

  • Praxisnah testen, welche Datenqualität und Aussagekraft ein professionelles Monitoring bietet
  • Energieeinsparpotenziale erkennen, insbesondere durch nicht investive Maßnahmen
  • Betriebsoptimierungen ableiten, die direkt im laufenden Betrieb wirksam werden
  • Erkenntnisse für weitere Liegenschaften gewinnen, um ein systematisches Vorgehen vorzubereiten

Die Ergebnisse werden nach Abschluss der Heizperiode in einem gemeinsamen Gespräch vorgestellt und an das Landratsamt übergeben.

Ausgangssituation: Gute Basis, aber fehlende Tiefe

Das Landratsamt verfügt bereits über eine digitale Energieleitstelle, die viele Gebäude zentral überwacht. Sie ermöglicht:

  • die Regelung der Anlagentechnik (z. B. Nachtabsenkung)
  • die Anzeige von Störungen

Was jedoch bislang fehlt:

  • eine Prüfung der tatsächlichen Wärmeströme
  • ein hydraulischer Abgleich
  • eine systematische Analyse der Anlagenperformance

Seit 2025 ergänzt ein Energietechniker diese Strukturen, indem er veraltete Pumpen und offensichtliche Defizite identifiziert. Das Monitoringprojekt knüpft genau hier an – und liefert erstmals belastbare Daten, um diese Beobachtungen zu untermauern.

Erwartete Ergebnisse: Was Kommunen davon haben

Das Projekt soll Kommunen helfen, ein realistisches Bild davon zu bekommen, was Energiemonitoring leisten kann. Dazu gehören:

  • ein Gefühl für die Daten und deren Aussagekraft
  • eine Einschätzung möglicher Einsparpotenziale durch nicht investive Maßnahmen (Literaturwert: ca. 15 %)
  • ein Verständnis des technischen und organisatorischen Aufwands für eine Systemerweiterung
  • übertragbare Erkenntnisse für den interkommunalen Austausch
  • eine fachliche Bewertung des bestehenden Systems im Hinblick auf zukünftige Anforderungen

Zentrale Projektziele sind daher:

  1. Entscheidungsgrundlagen für ein systematisches Vorgehen mit allen Liegenschaften schaffen
  2. das Demonstrationsgebäude in ein dauerhaftes Monitoring überführen

Projektablauf im Überblick

  • Oktober/November 2025: Installation und Inbetriebnahme
  • Winter 2025/26: Kontinuierliche Datenerfassung über die gesamte Heizperiode
  • März/April 2026: Datenanalyse und Bericht
  • Projektabschluss: Übergabe der Ergebnisse und Rückbau der Messtechnik

Zwischenergebnisse: Schon wenige Fühler liefern wertvolle Erkenntnisse

Bereits nach kurzer Zeit zeigt sich, wie wirkungsvoll selbst ein schlankes Monitoring sein kann:

✔️ Minimaler Aufwand – maximale Aussagekraft: Mit geringem Installationsaufwand wurden vier Vor- und Rückläufe mit Temperaturfühlern ausgestattet. Die daraus entstehenden Temperaturkurven lieferten innerhalb eines Monats wertvolle Hinweise zu allen Heizkreisen und zur gesamten Anlageneinstellung.

✔️ Auffälligkeiten werden sichtbar: Die Messreihen zeigten Abweichungen im Anlagenbetrieb, die ohne Monitoring kaum erkennbar gewesen wären. Dadurch konnte eine gezielte Fehleranalyse durchgeführt werden.

✔️ Erste Empfehlungen liegen bereits vor: die Hydraulik der Anlage prüfen, den Volumenstrom der Pumpe kontrollieren, die Pumpe ggf. auf D‑T‑Steuerung umzubauen

Diese Maßnahmen sind überwiegend nicht investiv und können kurzfristig Wirkung zeigen.

Wie es weitergeht: Lernen, prüfen, optimieren

Motiviert durch die bisherigen Erkenntnisse plant das Projektteam nun:

  1. den gesamten Aufbau der Heizungsanlage detailliert zu erfassen
  2. die Daten der Wärmemengenzähler in das Monitoring einzubinden
  3. kleinere Optimierungen direkt vorzunehmen, um deren Effekte unmittelbar in den Messreihen sichtbar zu machen

Damit wird das Demonstrationsprojekt zu einem echten Lernlabor – für das Landratsamt selbst, aber auch für andere Kommunen, die ähnliche Schritte planen.