Medikamentenabhängigkeit

Medikamentenabhängigkeit

Die Sucht im Verborgenen

Wussten Sie, dass es mehr Menschen gibt, die abhängig von Medikamenten sind als vom Alkohol? Laut Bundesgesundheitsministerium sind 2,3 Millionen Menschen in Deutschland medikamentenabhängig, als alkoholabhängig gelten "nur" etwa 1,6 Millionen Menschen.

Laut MDR Bericht von 2023 sind es mehr Frauen als Männer, die Medikamente missbrauchen. Das liegt daran, dass ihnen Studien zufolge Benzodiazepine, die ein sehr hohes Suchtpotenzial haben, häufiger verschrieben werden als Männern. Gründe für die Verschreibung von Benzodiazepinen sind für gewöhnlich Schlafprobleme oder Ängste. Während die Verschreibungen bei Erwachsenen seit einigen Jahren sinken, steigen sie bei den Jugendlichen extrem an.

Die Diagnose einer Medikamentensucht ist schwierig. Oft bewegt sich der Missbrauch im Rahmen der sogenannten Niedrigdosisabhängigkeit. Darüber hinaus sind von Medikamentenabhängigkeit Betroffene vergleichsweise unauffällig und sozial integriert. Man spricht von Medikamentenmissbrauch, wenn Arzneimittel ohne erkennbare Beschwerden zur Beeinflussung des eigenen Wohlbefindens eingesetzt werden.

Typische Hinweise auf eine Medikamentenabhängigkeit sind:

Dosissteigerung: Medikamente werden bei Tablettensucht länger oder in größeren Mengen eingenommen als eigentlich verordnet oder beabsichtigt.

Fixierung: Das Leben dreht sich ausschließlich um den Medikamentenmissbrauch. Reduktion oder Beendigung der Tabletteneinnahme sind nicht mehr vorstellbar.

Indikationserweiterung: Medikamente werden bei Tablettensucht nicht bestimmungsgemäß eingenommen, Schlafmittel z.B. tagsüber, um sich zu beruhigen.

Heimlichkeit: Von Medikamentenabhängigkeit Betroffene lassen sich oft die benötigten Präparate von verschiedenen Ärzten verschreiben oder kaufen sie auf illegalem Weg.

Medikamentenabhängigkeit verursacht oft Interessenlosigkeit und eine Verflachung der Gefühle und jahrelanger Medikamentenmissbrauch kann zu einer Änderung der Persönlichkeit führen. Stimmungsschwankungen, paradoxe Reaktionen, Depressionen und Ängste sind ebenfalls typische Folgen.

Tatsächlich weisen vier bis fünf Prozent der verordneten Medikamente in Deutschland ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial auf. Folgende Medikamentengruppen sind besonders häufig betroffen: Opioide (Codein, Tramal, Tilidin, Oxycodon oder auch Fentanyl) werden zur akuten und chronischen Schmerzbehandlung verwendet. Benzodiazepine (Diazepam, Oxazepam, Lorazepam und Z-Drugs (Zolpidem, Zopiclon und Zaleplon) sind die am meist verwendeten rezeptpflichtigen Beruhigungs- und Schlafmittel in Deutschland. Sie werden zur Behandlung von Panikattacken, Angststörungen, Einschlaf- und Durchschlafstörungen, zur Muskelentspannung und bei Epilepsie eingesetzt.

Kostenfreie Beratung und Ausstiegsprogramme sind auch online möglich, so zum Beispiel über DigiSucht.

Quelle: Medianklinik

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