Medienabhängigkeit
Wo hört normale Computernutzung auf und wann beginnt sie zum Problem zu werden?
Die Grenzen sind fließend!
Wir jagen Highscores, Likes und Serienfinals – und merken nicht, dass unser eigenes Leben längst auf Pause steht. Was wie harmlose Unterhaltung wirkt, folgt oft denselben Belohnungsmechanismen wie Glücksspiel: kurze Kicks, die uns immer wieder zurücklocken. Während wir scheinbar entspannen, trainieren digitale Plattformen oder Spiele unbemerkt unsere Gewohnheiten – und bestimmen damit zunehmend, wie wir Zeit, Aufmerksamkeit und sogar Beziehungen gestalten.
Die immer weiter fortschreitende Digitalisierung hat inzwischen erkennbar Einfluss auf unser gesamtes Leben und verändert nicht nur den Umgang mit Technik, sondern greift auch in unsere sozialen Beziehungen, in unsere Arbeitswelt und unsere Freizeit ein. Gerade weil immer mehr Menschen nachweislich mehr als die Hälfte ihrer „Wachzeit“ online verbringen, kann der digitale Raum inzwischen als neue „Lebenswelt“ bezeichnet werden. Gegenwärtig kann davon ausgegangen werden, dass neun von zehn Jungen und mehr als 50% der Mädchen mindestens wöchentlich Computer/Handy zum Spielen nutzen. Daher stellt sich gerade in diesen Zeiten die Frage: „Wo sind die Grenzen? Ab wann gilt die digitale Nutzung als Sucht?“

Wenn Gaming den Alltag bestimmt: Die wachsende Herausforderung der Mediensucht. Foto: Pixabay.de
Bereits 1995 prägte der Psychiater Ivan Goldberg den Begriff der Internetabhängigkeit mit Vorschlägen für Kriterien dieser Erkrankung. Bis heute versuchen Fachleute, sich auf eine einheitliche und allgemeingültige Definition zu einigen, was sich jedoch in Anbetracht der aufgeweichten Grenzen zwischen digitaler und physischer Welt schwierig gestaltet. Als gesichert gilt, dass folgende Kriterien auf eine Internetproblematik hinweisen:
1.Überhöhte Bedeutung digitaler Aktivitäten mit langfristiger Vernachlässigung anderer Interessen und (z.B. schulischer) Verpflichtungen
2. Verminderte Kontrolle über das Mediennutzungsverhalten
3. Fortgeführte Nutzung trotz damit zusammenhängender negativer Folgen
4. Ständige gedankliche Beschäftigung mit dem Medium
5. „Entzugserscheinungen“ in Form von Aggressivität, Unruhe, Anspannung, … bei Nichtverfügbarkeit der genutzten Medien
Die Suchtentwicklung beginnt bei Medienabhängigen häufig im Jugendalter. Und dann … was tun?
Grundsätzlich gilt: Bleiben Sie miteinander im Gespräch. Machen Sie sich als Angehöriger fit im Umgang mit digitalen Medien, interessieren Sie sich für das Mediennutzungsverhalten Ihres Gegenübers und suchen Sie sich gemeinsam Hilfe. Die Suchtberatungsstellen des Landkreises sind auch in diesem Bereich geeignete Ansprechpartner, wenn sich aus einem harmlosen Umgang mit Netflix, Spielen & Co. unbemerkt ein problematisches Verhalten entwickelt hat.
Kostenfreie Beratung und Ausstiegsprogramme sind auch online möglich, so zum Beispiel über DigiSucht.
Quelle: DHS