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Handlungskompetenz der Kommunen stärken durch wassersensible Regionalentwicklung
(Handlungsräume der Wasserbewirtschaftung und Wasserressourcenmanagement)
Wenn es um wasserwirtschaftliche Probleme im Blickpunkt der Öffentlichkeit geht, spielen die jeweilige hydrologische Situation und klimatische Extreme hierfür eine große Rolle. Während vor 15 Jahren – auch infolge der Hochwässer in 2002, 2010 und 2013 – der Hochwasserschutz und -rückhalt im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand, liegt der Fokus heute auf der gesicherten Versorgung mit Wasser bei langanhaltendem Niedrigwasser und rückgängigem Dargebot. Die extremen Dürren um 2018/19/20 sind noch in Erinnerung, zugleich sinken seit einer Dekade die Grundwasserstände und Prognosen zeigen eine Unsicherheit bzgl. der langfristigen Wasserverfügbarkeit.
Regionale Besonderheiten und Herausforderungen
Der Landkreis Leipzig steht hierbei vor besonderen Herausforderungen: Er ist geprägt von Bergbaufolgelandschaften, industriellen Standorten und großen Entnahmen für die öffentliche Wasserversorgung. Dürren und Wassermangel beeinträchtigen nicht nur diese Nutzungen, sondern auch die Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischzucht und setzen der Gewässerökologie stark zu.

Die extreme Dürre im Jahr 2018 führte zu Ernteausfällen von bis zu 50 Prozent und verursachte Schäden von rund 3 Milliarden Euro in Deutschland.
Forschungskooperation zur Stärkung kommunaler Handlungskompetenz
Vor diesem Hintergrund ist die Untere Wasserbehörde des Landkreises Leipzig als assoziierter Projektpartner im vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Forschungsprojekt „Handlungskompetenz der Kommunen stärken“ beteiligt. Ziel des Projekts ist es, den Wissenstransfer zwischen Hochschulen und ländlichen Regionen zu fördern. Besonders relevant sind dabei zwei Werkstattprojekte, an denen auch der Landkreis Nordsachsen beteiligt ist:
- Handlungsräume der Wasserbewirtschaftung – Regionalentwicklung bei Klimaanpassung
- Wasserressourcenmanagement durch Kleinspeicher – Stabilisierung des Wasserdargebotes
Beteiligte Forschungseinrichtungen sind unter anderem die Professur für Wassermanagement und Klimaanpassung der Universität Leipzig, das Institut für Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft der HTWK Leipzig sowie das Department Umwelt- und Planungsrecht des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig.
Ziele der Projekte
Beide Projekte zielen darauf ab, die Landkreise bei einer wassersensiblen Regionalentwicklung zu unterstützen, den Landschaftswasserhaushalt zu verbessern und Wasser stärker in der Landschaft zu halten. Gleichzeitig sollen die Fähigkeiten der beteiligten Behörden, Verwaltungen und Wassernutzer gestärkt werden, um mit Unsicherheiten hinsichtlich des langfristigen Wasserbedarfs umgehen zu können.
Ein zentrales Anliegen ist zudem, die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis langfristig zu sichern. Es geht nicht nur um Analysen zu rechtlichen, hydrologischen und sozioökonomischen Aspekten, sondern vor allem um Vernetzung, Austausch und die gemeinsame Suche nach praktikablen Lösungen.
Ergebnisse aus dem Projekt „Handlungsräume der Wasserbewirtschaftung“
Beispielhaft wurde der Südraum von Leipzig mit seiner Bergbaufolgelandschaft hinsichtlich des Grundwasserdargebotes untersucht. Dort befindet sich der Grundwasserkörper in einem schlechten mengenmäßigen Zustand. Dies schränkt die Handlungsoptionen der Wasserbehörde stark ein, etwa für Feldbewässerung, Ansiedlungen von Industrie und Gewerbe oder Flutung der Bergbaufolgeseen.
Im ersten Teil des Projektes wurden kleinere hydrogeologische Bewirtschaftungseinheiten ausgewiesen. Die Ergebnisse, zusammen mit kartographischen Grundlagen, wurden den Unteren Wasserbehörden als Ausgangspunkt für gemeinsame kleinräumige Beurteilungen zur Verfügung gestellt.
Darauf aufbauend werden nun gemeinsam Lösungen erarbeitet, zum Beispiel: Wie kann die Wasserrechtsvergabe unter ungünstigen Bedingungen gerecht erfolgen? Viele Fragen sind noch offen, etwa: Sollte auf wasserintensive Kulturen verzichtet oder alte Wasserrechte gekürzt werden, um neuen Nutzern Wasserzugang zu ermöglichen? Diese und weitere Aspekte werden in Fallstudien untersucht, rechtlich geprüft und in Dialogformaten mit Wasserbehörden und Wassernutzern diskutiert.
Projekt „Wasserressourcenmanagement durch Kleinspeicher“
Das zweite Teilprojekt fokussiert auf die dezentrale Wasserrückhaltung durch Kleinspeicher, um Wasserdefizite und -überschüsse auszugleichen. Historisch wurden in den 1970er und 80er Jahren Beregnungsspeicher errichtet, die nach der Wende teilweise außer Betrieb genommen oder umgenutzt wurden.
Heute soll untersucht werden, wie diese Speicher wiederbelebt und optimiert werden können, um den Landschaftswasserhaushalt zu stabilisieren. Trotz häufiger Starkregen sinken die Grundwasserspiegel, da Oberflächenwasser schnell abgeleitet wird, während der Bewässerungsbedarf in Trockenphasen steigt.
Weitere Ziele sind:
- Maßnahmen zur Grundwasseranreicherung
- Sicherstellung von Mindestabflüssen in Gewässern zweiter Ordnung
- Analyse der Rolle von Bewirtschaftungsverbänden bei Planung, Bau und Betrieb der Speicher
Dialogformate mit Nutzern sollen helfen, Konflikte, Chancen und innovative Lösungen zu identifizieren.
Überregionale Vernetzung und Sichtbarkeit
Die Zusammenarbeit erhöht zudem die überregionale Sichtbarkeit der Landkreise und ihrer Initiativen in der wassersensiblen Regionalentwicklung. Ein Beispiel ist die Jahrestagung des Gesamtverbundes in Pegau, die Vertreter der Wasserwirtschaft von der Landes- bis zur lokalen Ebene sowie Verbände, Wassernutzer und Wissenschaftler zusammenbrachte. Das gemeinsame Fazit: Kooperation ist der Schlüssel für erfolgreiche Anpassung an klimabedingte Veränderungen.

Auf der Jahrestagung des Gesamtverbundes in Pegau tauschten sich Vertreter von Wasserwirtschaft, Verbänden, Kommunen und Wissenschaft über wassersensible Regionalentwicklung aus.