Wie unterschiedlich waren die Lebenswelten von Frauen in der DDR und der Bundesrepublik? Und was davon wirkt bis heute nach? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Ausstellung „Frauen im geteilten Deutschland“, die am 25. August 2026 im Haus 2 des Landratsamtes in Borna eröffnet wurde. Ines Lüpfert, 2. Beigeordnete des Landkreises, und Konstanze Morgenroth, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Leipzig und Konstanze Morgenroth begrüßen zahlreiche Besucherinnen und Besucher. Die Ausstellung wurde initiiert von Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Lebenswelten dokumentiert

Auf 20 Tafeln werden Alltag und Erfahrungen von Frauen in beiden deutschen Staaten gegenübergestellt. Es geht um Erwerbsarbeit und Familie, Rollenbilder, gesellschaftliche Erwartungen und die Möglichkeiten, das eigene Leben selbst zu gestalten. Historische Fotografien, Faksimiles und Infografiken ergänzen die Ausstellung. Dabei fängt die Ausstellung auch den Zeitgeist der Jahrzehnte im geteilten Deutschland ein: Sie zeigt, wie Frauen Kultur und Alltag lebten, sich politisch engagierten, welche Mode die jeweilige Zeit prägte und welche Vorstellungen von Frauen in Zeitschriften, Film, Fernsehen und Werbung vermittelt wurden.

Die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen in Ost und West waren unterschiedlich und haben bis heute zahlreiche Klischees geprägt. Zugleich waren die Lebensrealitäten so vielfältig und individuell wie die Frauen selbst. Die Ausstellung nimmt deshalb nicht „die Ostfrau“ oder „die Westfrau“ in den Blick, sondern zeigt unterschiedliche Lebenswege und Erfahrungen.

Prägungen wirken bis heute nach

Wie sehr die unterschiedlichen Prägungen bis heute nachwirken, zeigte sich bereits in den Gesprächen rund um die Eröffnung.

„Frauen in der DDR und der Bundesrepublik haben eine unterschiedliche Sozialisation erfahren. Mit der Wiedervereinigung trafen auch unterschiedliche Vorstellungen von Arbeit, Familie und der Rolle der Frau aufeinander. 37 Jahre nach der politischen Wende und inzwischen in der zweiten Generation sind diese Unterschiede teilweise noch immer wahrnehmbar. Die Ausstellung hat bereits hier im Haus zu lebhaften Diskussionen geführt“, sagte Ines Lüpfert. „Sie stellt die Rolle der Frauen und ihre damaligen Lebenswirklichkeiten sehr anschaulich heraus.“

Ein Beispiel für die unterschiedlichen Lebenswelten ist die Erwerbsarbeit. 1989 arbeiteten 91 Prozent der erwerbstätigen Frauen in der DDR in Vollzeit, in der Bundesrepublik waren es 51 Prozent. Hinter diesen Zahlen stehen unterschiedliche gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Vorstellungen davon, wie Beruf und Familie miteinander verbunden werden sollten.

Frauen prägten die Entwicklung der Region

Konstanze Morgenroth verwies darauf, dass diese Geschichte auch im Landkreis Leipzig Spuren hinterlassen hat. „Der Landkreis Leipzig hat deutschlandweit den höchsten Anteil vollzeitbeschäftigter Frauen. Das ist bemerkenswert und hat auch mit unserer Geschichte und den Lebensentwürfen zu tun, die hier über Generationen geprägt wurden“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte.

Ein weiterer Teil dieser regionalen Geschichte ist der Bergbau. Frauen waren nicht nur in den Betrieben selbst beschäftigt, sondern auch in zahlreichen Bereichen, die unmittelbar mit dem Bergbau verbunden waren. Zeitweise stellten sie rund 30 Prozent der Belegschaften. Dies ist zwar nicht explizit Thema in der Ausstellung, zeigt allerdings deutlich, welchen großen Anteil Frauen am wirtschaftlichen Erfolg und der Entwicklung der Region hatten und haben.  

Morgenroth machte zugleich deutlich, dass eine hohe Erwerbsbeteiligung allein noch keine Gleichberechtigung bedeutet. „Frauen waren und sind berufstätig und haben gleichzeitig einen großen Teil der Haus- und Sorgearbeit getragen. Hinzu kommt, dass Frauen bis heute im Durchschnitt schlechter bezahlt werden als Männer. Bei der Verteilung und Anerkennung von Sorgearbeit ebenso wie bei der Bezahlung gibt es deshalb weiterhin Handlungsbedarf.“

Gerade diese unterschiedlichen Erfahrungen und auch Widersprüche greift die Ausstellung auf. Manche Unterschiede zwischen Ost und West haben sich seit der Wiedervereinigung abgeschwächt, andere sind bis heute im Alltag, in Familienbildern und in Vorstellungen von Erwerbs- und Sorgearbeit zu erkennen.

Dass diese Fragen auch 37 Jahre nach der politischen Wende beschäftigen, zeigte sich schon bei der Eröffnung. Die Ausstellung führte zu Gesprächen über eigene Erfahrungen, über Unterschiede zwischen den Generationen und darüber, was sich seit 1989 verändert hat – und was bis heute geblieben ist.

Die Ausstellung „Frauen im geteilten Deutschland“ kann bis 30. Oktober 2026 in der 2. Etage im Haus 2 des Landratsamtes in Borna, Stauffenbergstraße 4, während den Öffnungszeiten besucht werden.

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