Wenn Jugendliche Straftaten begehen, zweifeln viele Eltern an ihrer Erziehung und sie sorgen sich zudem um die Folgen für die weitere Entwicklung ihrer Kinder. Aber auch die Jugendlichen selbst haben Fragen, Unsicherheiten und Ängste. Solche Situationen treten weitaus häufiger auf, als man gemeinhin glauben möchte. Wir wissen aus der kriminologischen Dunkelfeldforschung, dass fast jeder männliche Jugendliche schon einmal eine Straftat begangen und gegen eine Strafrechtsnorm verstoßen hat. Die meisten werden allerdings nicht angezeigt oder entdeckt. Nur ein Teil muss sich tatsächlich strafrechtlich verantworten.

Diese Jugendlichen und ihre Eltern werden mit der Polizei, der Jugendstaatsanwaltschaft, den Jugendgerichten und dem für Laien schwierigen Prozedere des Ermittlungs- und Strafverfahrens konfrontiert. Zu den Fragen nach Entwicklungsproblemen, Folgen für das weitere Leben, richtigen Erziehungsmaßnahmen, Motiven und Umständen der Tat und nach Möglichkeiten der Wiedergutmachung kommt die Unsicherheit im Verfahren hinzu.

Das Jugendamt stellt sich diesen Fragen. Es ist in dieser Situation ein wichtiger Ansprechpartner und Helfer, der unabhängig von der Justiz den Jugendlichen und ihren Eltern mit Unvoreingenommenheit begegnet. Das Jugendamt bietet Jugendhilfe im Strafverfahren oder nach dem herkömmlichen Begriff, Jugendgerichtshilfe, an. Im Landkreis Leipzig wird diese Aufgabe von sechs speziell qualifizierten SozialarbeiterInnen gelöst. Sie sind sowohl Jugendhilfe als auch Gerichtshilfe:
  1. Als Jugendhilfe prüfen sie aus Anlass der ermittelten Straftat, ob bei dem jugendlichen Täter erzieherischer Bedarf oder Kindeswohlgefährdung vorliegen und sie leiten gegebenenfalls die notwendigen pädagogischen Maßnahmen ein. Sie beraten und begleiten die jugendlichen Straftäter und ihre Eltern, alles mit dem Ziel, Fehlentwicklungen zu korrigieren und der Wiederholung der Kriminalität die Grundlage zu entziehen. Diese Hilfe bieten sie vom Zeitpunkt der Ermittlung der Straftat bis zur Verurteilung, wenn notwendig bis zur Haftentlassung und Resozialisierung an. Für die Jugendlichen und ihre Eltern sind alle diese Maßnahmen freiwillig.
  2. Als Gerichtshilfe sollen sie das Gericht und die Jugendstaatsanwaltschaft pädagogisch beraten und dazu beitragen, im Jugendstrafverfahren die erzieherisch richtige, sich an der Persönlichkeit der Jugendlichen orientierende Entscheidung zu finden. Die SozialpädagogInnen der Jugendgerichtshilfe nehmen an den Hauptverhandlungen teil, geben Stellungnahmen ab und wachen danach über die Erfüllung der gerichtlichen Auflagen und Weisungen. Oft sind das sogenannte Arbeitsauflagen. 2009 vermittelten und kontrollierten die SozialpädagogInnen etwa 18.000 gemeinnützig zu verrichtende Arbeitsstunden.
Die Jugendgerichte sanktionieren jugendliche Straftäter mit
  • Erziehungsmaßregeln (Weisungen, Hilfen zur Erziehung),
  • Zuchtmitteln (Verwarnung, Auflagen, Jugendarrest) und
  • Jugendstrafe (Haft).
Insbesondere bei den Erziehungsmaßregeln halten die SozialpädagogInnen der Jugendgerichtshilfe die darunter zu subsumierenden pädagogischen Angebote vor.


Das sind Beratung, Betreuung/Erziehungsbeistandschaft, soziale Gruppenarbeit, Täter-Opfer-Ausgleich, Verkehrsunterricht, Unterbringungen in Einrichtungen u.a. Die notwendige Vielfalt kann nur in Zusammenarbeit von öffentlicher (Jugendamt) und freier Jugendhilfe (Vereine, Wohlfahrtsverbände) geleistet werden. Im Landkreis Leipzig bieten folgende freie Träger ambulante Maßnahmen der Jugendgerichtshilfe an:
  • AWO Familienzentrum gGmbH in Grimma: Betreuung, sozialer Trainingskurs, Sozialberatung
  • Caritasverband Leipzig e.V., Projekt KOMPASS in Borna: Betreuung, sozialer Trainingskurs, Täter-Opfer-Ausgleich, gemeinnützige Arbeit, Haftbetreuung
  • DRK Kreisverband Muldental e.V. in Wurzen: Betreuung, Täter-Opfer-Augleich, gemeinnützige Arbeit, Sozialberatung
  • Jugendhaus Leipzig e.V. in Leipzig: Betreuung, sozialer Trainingskurs, Anti-Gewalt-Kurs, Täter-Opfer-Ausgleich, Jugendberatung
  • Messe-Verkehrswacht-Leipzig, e.V. in Leipzig und Fahrschule Janosch in Wurzen: Verkehrsunterricht
  • Sportmobil-Springburg e.V. in Leipzig und mobil im Landkreis: Betreuung bei gemeinnütziger Arbeit
Ende des Jahres 2010 kommen die Arbeit und die Maßnahmen der Jugendhilfe im Strafverfahren auf den Prüfstand. Das Jugendamt wird dann dem Jugendhilfeausschuss des Kreistages den 3. Teil der Jugendhilfeplanung, Teilfachplan "Maßnahmen der Jugendgerichtshilfe", zur Diskussion und Beschlussfassung vorlegen. Die freien Träger der Jugend-(gerichts)hilfe haben bereits Ende 2009 eine Facharbeitsgruppe gebildet, um ihren Beitrag an der Planung leisten zu können. Sie bestimmen zurzeit die aus ihrer Sicht verbindlichen Qualitätsmerkmale der einzelnen Maßnahmen, ermitteln den Bedarf, stimmen ihre Angebote ab und bewerten sie, um abschließend der Verwaltung und dem Kreistag Vorschläge für die Planung vorlegen zu können.


Damit wird die vom Gesetzgeber als Pflichtaufgabe definierte Jugendhilfe im Strafverfahren im Landkreis Leipzig zum Bestandteil und Ergebnis eines demokratischen Prozesses und zum gesellschaftlichen Anliegen.

Die SozialpädagogInnen der Jugendhilfe im Strafverfahren sind im Jugendamt unter 03433 241 2340/2341/2342/2343 und 03437 984 2345/2346 zu erreichen. Sie geben gern Auskunft über die Erreichbarkeit der freien Träger der Jugend-(gerichts)hilfe.

Weitere Informationen sind erhältlich über:

Name Daniela Malke
Sachgebietsleiterin Besondere Soziale Dienste

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Ines Lüpfert.