In einem Schreiben an den sächsischen Innenminister Roland Wöller setzt sich Landrat Henry Graichen intensiv dafür ein, die Polizeidienststelle der Stadt Wurzen aufzuwerten. Angesichts der besondere Situation in Wurzen sei die Stärkung der dortigen Polizeidienststelle unerlässlich. Bereits seit mehreren Jahren summierten sich Straftatbestände und Auseinandersetzungen zwischen Asylbewerbern, unbegleiteten Minderjährigen und deutschen Bürgern. Dabei hätten sich ab dem zweiten Halbjahr 2015 sich die Situationen zwischen den genannten Personengruppen verschärften. "Auseinandersetzungen an der Schule, auf öffentlichen Straßen und Plätzen, Brandanschläge und Angriffe auf Wohnungen von Asylbewerbern traten in ständiger Häufung und gesteigerter Heftigkeit auf," so die Einschätzung des Landrats. Dabei sei es immer wieder zu verletzten Personen gekommen. Die tätlichen Konflikte hätten in den Vorkommnissen am 12. und 13. Januar 2018 gegipfelt. "Die Ereignisse in Summe, vor allem jedoch die kulminierten Zustände in vorgenannter Nacht, bewegen die Bürger der Stadt Wurzen und der Region sehr", so Graichen.

In den Auswertungen und strategischen Überlegungen zum weiteren Umgang in der Stadt Wurzen engagiert sich der Landkreis Leipzig mit den Möglichkeiten der öffentlichen Jugendhilfe und dessen zielsicheren und wirksameren Einsatz. So seien bereits Festlegungen getroffenen worden, um die aufsuchende Jugendarbeit in der Stadt Wurzen zu verstärken. Auch sollen auch Jugendliche direkt angesprochen werden, die nicht den Weg in das Kinder-Jugendzentrum "KiJuWu" finden. Zudem wurde mit dem Träger der Schulsozialarbeit an den Wurzener Schulen Kontakt aufgenommen, um auch hier für eine verstärkte Arbeit mit Jugendlichen zu sensibilisieren, die über die offenen Angebote der Jugendhilfe nicht zu erreichen sind. Dabei sei, so Landrat Graichen "eine Begleitung durch die Stärkung der Polizeidienststelle in der Stadt Wurzen unerlässlich. Denn allein durch die Maßnahmen der Stadt Wurzen, des Landkreises Leipzig und vieler engagierter Bürger lässt sich der Situation nicht begegnen." Eine begleitende Verstärkung und damit verbundene Aufwertung der Struktur des Polizeivollzugsdienstes helfe allen Verantwortlichen in der Region und sei ein deutliches Zeichen an die verunsicherte Bürgerschaft. "Es fehlt vor allem an einem Revierleiter, der als Ansprechpartner der Bürger und Unternehmer vor Ort sein muss", benennt Graichen das Defizit.

Die Umsetzung der Strukturreform der Polizei in Sachsen im Jahr 2011 und der damit verbundenen Umwandlung des zum damaligen Zeitpunkt vorhandenen Polizeireviers Wurzen in einen Polizeistandort fand nie eine örtliche und regionale Akzeptanz. Damals wandten sich bereits über 500 Bürger der Region Wurzen an das Sächsische Staatsministerium des Innern (SMI). Auch nach den Ereignissen der vergangenen Monate fanden wiederum über 700 Menschen in ihrer Bewertung überein, die Polizeidienststellenstruktur des Polizeivollzugsdienstes in Wurzen deutlich aufzuwerten. "Für die derzeit laufenden Anstrengungen der Stadt Wurzen und des Landkreises Leipzig sei die Änderung in der Struktur des Polizeivollzugsdienstes unverzichtbar," so der Landrat und: "Für die Bevölkerung in der Region Wurzen eine längst überfällige Maßnahme."

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Brigitte Laux.