Falschmeldungen

Weder Wildrinder noch Stalltiere! Die Rinder in Grimma waren nach dem Gesetz Haustiere weil sie einen Halter hatten (Gegensatz dazu: Wildtiere). Genauer gesagt waren die Rinder, die zur Fleischerzeugung gehalten wurden, Nutztiere. Robustrassen können ganzjährig auf der Weide gehalten werden. Es wurde nie eine Stallhaltung gefordert.

Jeder Rinderhalter muss sich an die gesetzlichen Vorgaben (Kennzeichnung,  Seuchenprophylaxe  etc.) halten, egal ob die Tiere draußen oder drinnen, bio oder konventionell gehalten werden. Wer dies nicht macht gefährdet Verbraucher (BSE) andere Tierhalter (Seuchengefahr) und vor allem die Tiere selbst (unbehandelte Krankheiten, Mangelernährung, Parasiten…)  Vernachlässigung bedeutet immer eine im Vergleich zu einem gewissenhaften Tierhalter billigere Haltung auf Kosten der Tiere.

Qualvolle Tötung:  Die Behauptung, dass die Tiere qualvoll verendet seien, wurde bewusst falsch gestreut und durch die Medien ungeprüft übernommen. Die Tierärzte haben bei jedem Tier die Betäubung kontrolliert, blieben während der Tötung beim Tier blieben und prüften abschließend auch den Tod noch einmal gesondert. Weil alles ruhig und konzentriert gemacht wurde, hat der Einsatz insgesamt so lange gedauert.

Billige Tötung: Auf der ersten Weide hatten wir die sicher totgeweihten Tiere, die wegen der Blutabnahme betäubt waren, eingeschläfert. Auf der zweiten Weide per Bolzenschuss betäubt und dann die Herzdurchströmung bei tiefer Bewusstlosigkeit durchgeführt. Sog. Experten, die weder vor Ort waren noch genannt sein wollen, werfen dem Landkreis "billiges" Töten vor. Herzdurchströmung ist eine tierschutzgerechte Tötungsart, die - weil sorgfältig angewendet - auch sicher war.

Gerichtsverfahren: Die 33 Rinder, die nicht identifiziert werden konnten, sollten laut der Verfügung nicht getötet werden um keine vollendeten Tatsachen zu schaffen. Am 13.07.2016 hat das Verwaltungsgericht den Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz abgelehnt. Die Tiere sind mittlerweile nicht mehr am Leben.

Kennzeichnungspflicht: Sind über 20 % einer Herde nicht identifizierbar, können die Sanktionen (also auch Tötungen) die komplette Herde umfassen. Der Landkreis hat dennoch jedes einzelne Tier überprüft, um möglichst viele Tiere zu retten. Auch eine DNA-Analyse war nicht möglich: Über die Hälfte aller Tiere waren nicht richtig gekennzeichnet. Wenn weder Vater noch Mutter klar bestimmbar sind, sind es die Kälber auch nicht.

Die Rinderhalter im Landkreis Leipzig halten sich an die Kennzeichnungspflicht. Es gab bisher nur in Einzelfällen ein Problem, das aber geklärt werden konnte. Verbraucherschutz und die Rückverfolgbarkeit werden ernst genommen. Auch die Kontrollen zur Seuchenfreiheit werden durchgeführt. 

Ausführliche Stellungnahme

Lebensmittelsicherheit ist Verbraucherschutz. Sie alle erwarten, dass Sie, wenn Sie in Ihre Wurststulle beißen ein sicheres Lebensmittel zu sich nehmen. Nein, Sie erwarten es nicht nur, Sie gehen davon aus und der Gesetzgeber hat die Regularien so gestrickt, dass sie dies auch tun können. Wir als Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt (LÜVA) sind dafür verantwortlich, dass der Verbraucher diese höchst mögliche Sicherheit genießen kann.

Eine Sicherheit bezogen auf Rindfleisch kann nur durch eine lückenlose Rückverfolgbarkeit gewährleistet werden. In einer Zeit, in der Lebensmittel nichts kosten dürfen aber absolut sicher sein müssen sind strengste Regularien unerlässlich. Deshalb tragen in Deutschland alle Rinder seit nunmehr fast 20 Jahren gelbe Ohrmarken und das gleich auf beiden Seiten. Sollte eine verloren gehen, kann das Rind immer noch an der zweiten identifiziert werden. Die verloren gegangene Ohrmarke ist dann vom Tierhalter umgehend nachzubestellen. Alle Rinderhalter wissen das, und ob es ihnen gefällt oder nicht, sie halten sich daran. Sie wissen was geschieht, sollten sie es nicht tun.

Die Nummer der Ohrmarke ist individuell und bleibt ein Rinderleben lang gleich. Sie zeigt in welchem Betrieb, von welcher Mutter und wann ein Rind geboren wurde, welche Rasse es hat, an welche Betriebe es danach gegangen ist, wie viele Kalbungen (sofern eine Kuh) es hatte, auf welche Krankheiten es untersucht und mit welchem Impfstoff es geimpft wurde. Sie zeigt, wo und wann es geschlachtet wurde oder ob es verendet und gesetzeskonform entsorgt und auf BSE untersucht worden ist (sofern nötig). Das ganze nennt man den Lebenslauf eines Rindes. Anhand der Lebensläufe können ganze Stammbäume erstellt werden. Die Rückverfolgung von Rindern dient inzwischen vielen Bereichen. In der effektiven Tierseuchenbekämpfung zur Identifizierung von Infektionsketten beim Ausbruch einer bekämpfungspflichtigen Tierseuche, im Tierschutz und zur Wahrung der Lebensmittelsicherheit - letztgenanntes steht dabei im Vordergrund bei den Maßnahmen in Großbardau.

Was hat das mit Lebensmittelsicherheit zu tun? Nun, in der EU dürfen Rinder nur geschlachtet werden, und damit in die Lebensmittelkette gelangen, wenn sie von eindeutig zu identifizierenden Rindern stammen. Kann man sich fragen wozu - nun ja, da ist zum einen natürlich der eindeutige Ausschluss von auf den Menschen übertragbare Krankheiten wie BSE, die leider erst nach dem Tod des Tieres diagnostiziert werden kann. Diese kann auf den Menschen übertragen werden und verursacht eine für den Menschen tödliche Erkrankung, die Creutzfeldt-Jacob-Krankheit. Dazu kommt, dass sie in einer familiären Gruppe von Rind zu Rind weitergegeben werden kann. Sollte ein Rind infiziert sein ist es unerlässlich, diese Familiäre Gruppe (Kohorte) sicher bestimmen zu können um eine Übertragung auf den Menschen ausschließen zu können. Da es sich bei dem BSE Erreger um ein Prion handelt und dieses sehr stabil ist, wird es in den normalen lebensmitteltechnologischen Abläufen nicht abgetötet. Daraus folgt, dass eine sichere Verhinderung der Übertragung auf Menschen nur durch einen Ausschluss dieser Tiere aus der Lebensmittelkette erfolgen kann.

Zur Gewährung der Lebensmittelsicherheit werden entlang der Produktionskette (Rind- Fleisch/ Milch- Wurst/ Milchprodukte- Fertigprodukte…) Proben gezogen und unter anderem auf Rückstände untersucht. Rückstände können dabei vielseitig sein: Arzneimittel, Schwermetalle, Umweltgifte… Damit sie gar nicht erst in die Produktionskette gelangen, müssen sämtliche Behandlungen bei lebensmittelliefernden Tieren dokumentiert werden. Und hier kommen wieder die Ohrmarken ins Spiel - eine tiergenaue Dokumentation ist dabei vorgeschrieben und auch sinnvoll, denn für jedes Tier das geschlachtet werden soll, muss eine "Information zur Lebensmittelkette" vorgelegt werden, welche unter anderem Aussage über mögliche Arzneimittelbehandlungen bei den Tieren trifft.

Zurück zu den Lebensmittelproben: Entlang der gesamten Lebensmittelkette auf den verschiedenen Produktionsstufen werden Proben gezogen und auf Rückstände untersucht. Sollte es einen positiven Nachweis geben muss es möglich sein, diesen zurück zu verfolgen bis zum Ursprungsbestand/Tier. Sollte dies nicht gelingen und damit eine Kontamination anderer Lebensmittel nicht ausgeschlossen werden kann, muss die komplette produzierte Charge aus dem Verkehr gezogen werden - ein riesengroßer wirtschaftlicher Verlust. Dieser jedoch wird im Sinne des Verbraucherschutzes hingenommen, denn dieser steht ganz oben.

In unserm Fall wurden zumindest an einem Standort größere Mengen Asbest gefunden, die auf der Weide frei zugänglich verstreut lagen. Des Weiteren, es handelt es sich um einen alten Truppenübungsplatz, alte Hülsen wurden gefunden - eine dadurch stattgefundene Kontamination des Bodens kann damit nicht ausgeschlossen werden, ebenso wie eine daraus folgende Belastung des Fleisches mit Kontaminanten.

Halter verweigert jede Zusammenarbeit

Haben viele Rinder einer Herde über einen langen Zeitraum falsche oder keine Kennzeichnung bekommen ist es schier unmöglich über Zuordnung oder Ausschluss Identitäten von Rindern zu klären. Seit 2012 versäumte der Tierhalter in Großbardau seine Tiere regelmäßig zu kennzeichnen (innerhalb von 7 Tagen nach der Geburt), diese anzumelden und auf die vorgeschriebenen Krankheiten zu untersuchen. Das Unterlassen von vorgeschriebenen Untersuchungen auf anzeige- und bekämpfungspflichtige Tierseuchen stellen eine permanente Gefährdung für umliegende Rinderhalter dar.

Er kennzeichnete seine Tiere nicht oder falsch was dazu führte, dass an beiden Standorten Tiere stehen, die mehrfach dieselben Ohrmarken (OM) tragen, Kälbchen mit OM von ausgewachsenen Tieren mit zum Teil mehreren bereits erfolgten Kalbungen, Bullen sind als Kühe mit Kalbungen registriert, Tiere tragen OM von Tieren die bereits seit zum Teil 3 Jahren geschlachtet oder verendet sind, einige Tiere trugen gar keine OM… Das Ausmaß der Falschkennzeichnung war so hoch, dass es keine Möglichkeit zur Klärung gab, wie es bei Einzelfällen oder minimalen Abweichungen manchmal noch möglich ist, wenn der Tierhalter seine Tiere kennt und dem Amt gegenüber glaubhaft identifizieren kann. Dafür ist natürlich eine Mitarbeit des Tierhalters unerlässlich. In diesem Fall stieß das Amt seit Jahren auf Widerstand, eine schlichte Nichtakzeptanz der geltenden Normen seitens des Tierhalters. Amtliche Anordnungen, Bußgelder, Zwangsgeldandrohungen, die als mildere Mittel über einen sehr langen Zeitraum eingesetzt wurden führten nicht zu dem Ziel, rechtskonforme Zustände herzustellen. Auch der Verlust der gesamten EU- Subventionen auf seine Flächen konnten ihn nicht bewegen. Im Gegenteil wurde die Ablehnung des Tierhalters immer größer, er überzog die Mitarbeiter des Amtes mit Beschimpfungen, Strafanzeigen und Dienstaufsichtsbeschwerden bis auf die ministeriale Ebene - ohne Erfolg.

Die letzten regulären Kontrollen beim Halter konnten nur unter Schutz der Mitarbeiter durch die Polizei erfolgen. Immer wieder betonte der Halter dabei, dass die Gesetze in diesem Land für ihn nicht gelten oder er sie zumindest nicht akzeptiere. Ist der geschätzte Leser nicht der Meinung, dass Gesetze in diesem Land für alle gelten? Sprechen Sie nicht von Ungerechtigkeit, wenn sich die meisten Rinderhalter jeden Tag auf´s neue Bemühen den zum Teil sehr aufwendigen Anforderungen der Gesetze gerecht zu werden- nur einer tut es nicht. Ist dies in einem Rechtsstaat in Ordnung? Und nicht "nur", dass er sich nicht an die Gesetze hält - er gefährdet wissentlich die Gesundheit anderer Menschen sowie die Öffentliche Sicherheit.

Alternative zur Tötung?

Nach jahrelangem Versuchen und dem Einsatz aller milderen Mittel bleibt der Behörde nur ein Weg um die Rechtmäßigkeit wieder herzustellen. Auch diesen hat der Gesetzgeber klar geregelt - diese Tiere dürfen nicht in den Lebensmittelverkehr gelangen. Welche Optionen bleiben? Die Option, Tiere, die definitiv nicht mehr zu identifizieren sind am Leben zu lassen (für alle Beteiligte die deutlich schönere Option) besteht rein praktisch nicht. Ein Verbringen der Tiere ohne Ohrmarken ist verboten - selbst wenn die Tiere zu einem anderen Tierhalter kommen und die Tiere aus Mitgefühl aufgenommen würden. Sie sind in der Datenbank nicht meldbar, damit setzt sich der Tierhalter nicht rechtskonformer Zustände aus und riskiert zumindest den Verlust seiner Subventionen auf seine Flächen.

Diese Tiere in eine Herde zu integrieren ist schon deshalb nicht möglich, weil keinesfalls Nachkommen gezeugt werden dürfen, denn auch diese wären durch die fehlende Identifizierung der Elterntiere nicht eindeutig identifizierbar im Sinne des Gesetzes. Eine Verwertung scheidet selbstredend aus oben genannten Gründen aus. Selbst Einrichtungen wie Zoos, Gnadenhöfe usw. unterliegen den Vorschriften der Kennzeichnungspflicht von Rindern. Diese von uns gewünschten und geprüften Methoden schieden auch auf Grund der großen Anzahl der betroffenen Tiere aus.

Auch Sie würden sich mit einem Halten solcher Tiere strafbar machen. Die Tiere beim Halter zu belassen und für den Lebensmittelverkehr zu sperren scheidet aus mehreren Gründen aus. Auch hier müsste eine Fortpflanzung effektiv unterbunden werden. Seit mehreren Jahren wird vom Besitzer gegen die Mitarbeiter des LÜVA immer wieder Hausverbot ausgesprochen - Regelkontrollen waren nicht möglich und führten immer wieder zu bereits genannten Maßnahmen seitens des Tierhalters gegen unsere Behörde. Kontrollen zur Erfüllung von Auflagen, Kennzeichnung oder zum Tierschutz werden auch in der Zukunft nicht möglich sein.  Der Vorschlag, die Tiere als "Biologische Rasenmäher" zu nutzen wird an dieser Stelle nicht diskutiert, es reicht eben nicht, 70 Tiere einfach auf eine grüne Wiese zu stellen.

Tierschutz

Der wichtigste Punkt ist jedoch der Tierschutz- so absurd es einigen Lesern auch vorkommen mag, ja der Tierschutz war ein wichtiger Beweggrund für diese Maßnahme. Jeder Rinderhalter trägt die Verantwortung für seine Tiere, für eine artgerechte Pflege und Unterbringung, die tierärztliche Versorgung kranker Tiere und letztlich auch die Fortpflanzungskontrolle innerhalb der Herde. D.h. täglicher Umgang mit den Tieren, tägliche Inaugenscheinnahme, das Absondern kranker und verletzter Tiere sowie die Zufütterung essentieller Stoffe (hier Mineralien), die die Tiere auf der Weide nicht finden. Dazu gehört, dass die Tiere an den Umgang mit dem Menschen gewöhnt werden, ein Eintreiben stressreduziert möglich ist, sowie das separieren einzelner Tiere geübt wird, um Klauenpflege, tierärztliche Behandlungen oder eben das Einziehen von Ohrmarken vornehmen zu können.

Dieses sog. Herdenmanagement ist in dieser Haltung nicht erfolgt. Diese Tiere sind nie durch ihren Besitzer positiv geführt worden, sie haben nie gelernt sich gezielt als Herde bewegen zu müssen. Die Tiere leiden Augenscheinlich unter Mineralstoffmangel, das dadurch veränderte Haut- und Haarkleid ist an vielen Tieren zu erkennen. Tiere wiesen Verletzungen auf, die nie behandelt wurden. Rinder, die ganzjährig auf der Weide gehalten werden sind viel öfter von Parasiten befallen als Tiere, die im Stall gehalten werden. Eine regelmäßige Parasitenbehandlung ist hier unerlässlich. Diese ist in diesem Bestand nicht erfolgt. Alle Tiere wiesen stark verkotete Hinterteile auf, die auf einen zu flüssigen Kot hinweisen, eine Folge des Befalls des Magen-/Darmtraktes mit Parasiten.

An beiden Standorten waren die Weideflächen mit Müllteilen übersät: Draht, Metallteile, Asbest, Schrott… Das Schlimmste jedoch ist, dass der Tierhalter bis zum Schluss der Meinung war, dass Herdenmanagement in einer Mutterkuhhaltung nur über den Kugelschuss zu realisieren ist. Ein Halten und führen der Tiere ohne Gewehr liegt außerhalb seiner Vorstellungskraft. D.h. Tiere die nicht in die Herde passen, verletzt sind, Jungbullen die Rangkämpfe austragen sollten einfach abgeschossen werden. Lieber Leser, nun frag ich sie: Ist das Ihre Vorstellung von Tierschutz? Von artgerechter Haltung? Ist das ein Rinderhalter, der angemessen mit seiner Verantwortung gegenüber den sich in seiner Obhut befindlichen Tiere umgeht? Woran erkennt er seine Tiere? An den Ohrmarken sicher nicht..

Sicher ist es ein probates Mittel, gerade in der Haltung von Mutterkühen, Tiere in Narkose zu legen um sie dann zu kennzeichnen oder zu behandeln. Und anders als immer wieder dargestellt stand dieser Weg dem Tierhalter jahrelang offen. Viele Tierärzte im Landkreis hätten diese Art der Betäubung vornehmen können, sowie sie es auch in anderen Tierhaltungen tun. Die Tierärzte und auch einige Tierhalter im Landkreis besitzen die Erlaubnis und vor allem die Sachkunde dies tun zu dürfen. Angebotene Hilfe wurde vom Tierhalter aber immer wieder ausgeschlagen. Richtig ist, dass er ab März die Untersagung hatte, die Betäubung und Nachkennzeichnung der Tiere ohne das Beisein des LÜVAs vorzunehmen. Mehrere Termine zur gemeinsamen Kontrolle der Tiere sind an dem Unwillen des Tierhalters gescheitert.

Um an dieser Stelle die Kennzeichnung noch einmal ins Spiel zu bringen. Mit den Ohrmarkennummern wird in der Datenbank ein sogenanntes Bestandsregister erzeugt, darin werden Zu- und Abgänge, Geburten und Verendungen sowie Schlachtungen vermerkt. Der Tierhalter muss also allein schon deshalb die genaue Anzahl seiner Tiere kennen. Der Rinderhalter in Großbardau war zu keinem Zeitpunkt in der Lage eine auch nur annähernd genaue Anzahl von Tieren in seinen Herden zu benennen. Wie soll dann kontrolliert werden können, weder vom Tierhalter noch von der Behörde, ob alle Tiere da sind, ob welche fehlen, die der Tierhalter suchen und versorgen muss. Es sind tote Tiere, Kadaver und Knochen auf den Weiden gefunden worden - Tiere um die sich der Tierhalter nicht gekümmert hat. Diese Tiere sind qualvoll verendet und unentdeckt liegen geblieben. Mehrfach kam vom Tierhalter selbst die Aussage dass einige Tiere fehlen. Erklärung dafür: "Die hat der Wolf geholt und in seinen Bau geschleppt".

Es ist tierschutzwidrig - Tiere in einem umzäunten Gehege sich selbst zu überlassen! Die Tiere beim Besitzer zu belassen stellte aus genannten Gründen keine Option dar. Nach einem sehr langen und intensiven Abwägungsprozess durch unsere Mitarbeiter blieb nur noch eine Alternative. Und an dieser Stelle sei noch einmal gesagt, dass wir alle Mittel ausgeschöpft haben bevor diese Entscheidung gefallen ist, denn auch für uns war es eine sehr schwere und tragische! In Anbetracht der kurzen Meldefristen, die ein Tierhalter hat (7 Tage) sind mehr als drei Jahre eine sehr lange Zeit in der der Tierhalter diese Maßnahme hätte abwenden können. Mit dem Niederlegen der Erfüllung seiner Tierhalterpflichten (per Brief an das Landratsamt am 06.06.2016), d.h. das Einstellen der Versorgung der sich in seiner Obhut befindlichen Rinder war schnelles Handeln geboten. Ebenso kündigte der Tierhalter die Liquidation von 70 Rindern an.

Situation vom 20. bis 25. Juni 2016 vor Ort

Die Tiere vor Ort zu töten wurde entschieden, um ihnen weiteren Treibe- und Transportstress zu ersparen. Kein Mensch hat geahnt, dass es so viele sein würden. Das Ausmaß, welches durch die Vernachlässigung der Tierhalterpflichten eingetreten ist, war nicht absehbar, ebenso wenig im Vorlauf feststellbar, da Kontrollen wie erwähnt nicht durchführbar waren und uns die Tiere nie vorgeführt wurden um ein Ablesen der Ohrmarken zu realisieren.

An einem Standort wurden die Tiere betäubt, die Ohrmarken abgelesen und sehr gewissenhaft geprüft, wir haben bei jedem Einzeltier versucht es zu retten! Konnte aber eine Identität nicht wie oben beschrieben festgestellt werden, wurden die betroffenen Tiere noch unter der Narkose eingeschläfert, um Ihnen eine weitere Manipulation und damit verbundenes Leid zu ersparen. An dem anderen Standort konnten durch einen Fangstand ermöglicht werden, die Tiere so zu fixieren, dass ein Ablesen der Ohrmarken auch ohne Betäubung möglich war. Hier wurden betroffene Tiere dann mittels Bolzenschuss betäubt und mittels elektrischer Kopf-/Herzdurchströmung getötet. Hier muss gesagt sein, dass sich dieser Vorgang Tag täglich bei Tausenden von Tieren abspielt- nämlich am Schlachthof! Es ist eine nach Tierschutzschlachtverordnung zugelassene Methode zur Betäubung bzw. Tötung von Tieren. Der Preis spielte bei der Entscheidungsfindung zur Methode dabei selbstverständlich keine Rolle! Der ganze Vorgang wurde von mehreren Tierärzten überwacht und der Tod eines jeden Einzeltieres wurde nachweisbar festgestellt und dokumentiert! Kein Tier ist wie mehrfach beschrieben qualvoll verendet. Alle anderen Tiere wurden regelmäßig und ausreichend versorgt und sind inzwischen gut untergebracht.

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass das LÜVA eine Ordnungsbehörde und damit verantwortlich für die Durchsetzung geltenden Rechts ist - das für jeden Bürger gilt, der sich entschieden hat in diesem Land zu leben. Welche Rechte und Normen wir als Gesellschaft für gut befinden und anwenden wollen entscheiden wir mit unserer Wählerstimme - auch diese ist es, zumindest indirekt, die geltendes Recht ablösen oder ändern kann. Wir als Behörde machen die Gesetze nicht, wir wenden sie an und dabei darf es für uns persönlich keine Rolle spielen, wie wir sie finden.

Wir die Mitarbeiter des LÜVA sind betroffen und tief traurig so eine Maßnahme durchführen zu müssen. Und das nur, weil ein Bürger dieses Landes sämtliche Regeln und Gesetze als für sich geltend ablehnt, dem völlig das Bewusstsein dafür fehlt für die in seiner Obhut befindlichen Tiere in jeglicher Form verantwortlich zu sein. Die Frage nach der moralischen Schuld (an den vorgefundenen Zuständen) stellt sich für uns nicht.

e

 

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Brigitte Laux.