Wenn minderjährige (unter 18 Jahre) schwangere Mädchen erfahren, dass für ihr zu erwartendes Kind eine gesetzliche Vormundschaft angeordnet werden wird, erschrecken diese und haben Angst, dass sie ihr Kind nicht selbst großziehen und versorgen können. Aufgrund der eigenen beschränkten Geschäftsfähigkeit bei Minderjährigen wird nach § 106 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) das Kind einer minderjährigen Mutter im Moment der Geburt immer unter eine gesetzliche Vormundschaft gestellt.Die wesentlichen Aufgaben des Vormundes ist bei dieser gesetzlichen Vormundschaft die Klärung der Vaterschaft und des Unterhaltes für das Kind sowie dessen gesetzliche Vertretung. Dies kann nur gelingen, wenn die minderjährige Kindesmutter aktiv daran mitarbeitet.

Der Gesetzgeber unterteilt die elterliche Sorge in drei Teilbereiche: Personensorge, Vermögenssorge und die gesetzliche Vertretung.

Die Personensorge umfasst sämtliche Angelegenheiten, die die Person des Kindes betreffen. Auch hier gibt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) den Rahmen vor und benennt einige wichtige Bereiche im § 1631 BGB. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben sind folgende Bereiche von den minderjährigen Müttern eigenständig zu regeln:
  • Pflege
  • Erziehung
  • Beaufsichtigung
  • Aufenthaltsbestimmung
Die Fürsorge und Verantwortung der Eltern - hier der minderjährigen Mütter - für ihre Kinder, insbesondere ihre Verpflichtung, diese zu pflegen und zu erziehen sowie das Recht, dies nach ihren Vorstellungen zu tun, wird elterliche Sorge genannt. Darüber hinaus sind dann auch weitere wichtige, die Person des Kindes betreffend, Angelegenheiten durch die minderjährigen Mütter zu klären, wie:
  • Namensgebung
  • Festlegen (Nichtfestlegung) einer Religion
  • Einwilligung in gesundheitliche Behandlungen bzw. Eingriffe
  • Förderung von Fähigkeiten und Neigungen des Kindes
  • Zustimmung zur Adoption
Im § 1673 BGB wird geregelt, dass minderjährige Mütter keine Vermögenssorge für ihr Kind ausüben dürfen. Ebenso können sie ihr Kind bei eventuellen Rechtshandlungen (z. Bsp. Abschluss von Verträgen) nicht vertreten.


Dass dem "tatsächlichen Sorgerecht" große Bedeutung zukommt, zeigt sich darin, dass die o.a. Pflichten und Rechte den minderjährigen Mütter obliegen. Auch wenn minderjährige Mütter infolge ihrer beschränkten Geschäftsfähigkeit notwendig werdende Rechtshandlungen (z.B. das Abschließen von Verträgen) nicht vornehmen können, sondern diesbezüglich der andere volljährige Elternteil (bei gemeinsamer elterlicher Sorge) oder ein Vormund allein tätig werden müsste, wäre deren Handeln ohne das Einverständnis der minderjährigen Mutter unwirksam.

Können Meinungsverschiedenheiten nicht geklärt werden, muss das zuständige Familiengericht eingeschalten werden, welches dann gemäß § 1673 BGB im Streitfall für die minderjährige Mutter entscheiden wird, wenn das Kindeswohl dadurch nicht gefährdet wird.

Die gesetzliche Vormundschaft kann jederzeit durch einen Einzelvormund (vorzugsweise ein Familienmitglied) ersetzt werden, der jedoch durch das zuständige Familiengericht auf Geeignetheit überprüft wird. Ausgeschlossen ist jedoch der Kindesvater, da hier eine Interessenkoalition besteht.

Bei Beratungsbedarf in diesen Angelegenheiten können Sie sich an Jugendamt Landkreis Leipzig Sachgebiet Besondere Soziale Dienste wenden:
  • Bereich Wurzen - betreut von Herrn Hecht Tel. 03437/ 9842337
  • Bereich Grimma - betreut durch Herrn Dünger Tel. 03437/9842376
  • Bereich Böhlen/Rötha/Zwenkau/Markkleeberg - betreut durch Frau Bock Tel. 03437/9842338
  • Bereich Markranstädt/Pegau/ Groitzsch/Borna - betreut durch Frau Schwarz Tel. 03433/241 2339
  • Bereich Kitzscher/Frohburg/Narsdorf/Geithain/Borna/Bad Lausick/Colditz/Zschadrass - betreut durch Herrn Siegel Tel. 03433/241 2343

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Brigitte Laux.