Für die weitere Sanierung erheblicher Altlasten am Industriestandort Böhlen (Landkreis Leipzig) ist jetzt der Weg frei. Sachsens Umweltminister Frank Kupfer, Landrat Dr. Gerhard Gey, Reiner Roghmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Dow Olefinverbund GmbH, sowie Dr. Joachim Geisler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG), unterzeichneten eine Grundsatzvereinbarung, die das weitere Vorgehen bei der Altlastensanierung in Böhlen aufzeigt.

"Die Beseitigung der Altlasten am Industriestandort in Böhlen ist mit Abstand das komplizierteste Sanierungsvorhaben im Freistaat Sachsen", so der Minister. Im Boden und im Grundwasser befinden sich tausende Tonnen Schadstoffe, verursacht durch die jahrzehntelange Produktion von Treibstoffen, Energie und Chemieprodukten bis zur Wiedervereinigung und die Zerstörung vieler Anlagen im zweiten Weltkrieg. Grobe Schätzungen gehen von etwa 4.000 Tonnen Mineralölkohlenwasserstoffen aus. Schon die Menge der Schadstoffe ist eine Herausforderung. Hinzu kommt, dass die Sanierung auf Flächen erfolgen muss, auf denen hochkomplexe Chemieanlagen betrieben werden. "Hier sind Fingerspitzengefühl und Ideen gefragt", so der Umweltminister "„Ich bin deshalb froh, dass alle Beteiligten eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten".

Dow hatte den Chemiestandort in Böhlen im Jahr 1995 von der Treuhandanstalt gemeinsam mit weiteren Standorten in Schkopau, Leuna und Teutschenthal (Sachsen-Anhalt) erworben. Die Anlagen waren zu diesem Zeitpunkt, ebenso wie andere ostdeutsche Fabriken, in einem nicht wettbewerbsfähigen Zustand. Hinzu kamen die Altlasten im Boden, die im Laufe der Zeit auch in das Grundwasser gelangt sind. Ohne eine Beteiligung der öffentlichen Hand an den Kosten der Umweltsanierung hätte kein Investor einen Neubeginn gewagt. Deshalb gab es die Möglichkeit der sogenannten"„Altlastenfreistellung": Der Bund und die betroffenen Bundesländer kamen somit finanziell für die notwendigen Sanierungsarbeiten auf. Im Freistaat Sachsen wird die Altlastenfreistellung seit 2008 über den "Altlastenfonds Sachsen" finanziert. Auch Dow wurde auf diesem Wege von den Kosten für die Gefahrenabwehr freigestellt.

"So war es möglich, die Investitionen seit 1995 ausschließlich in den Aufbau von Chemieanlagen zu lenken und diese von Grund auf zu erneuern", erklärt Dow-Geschäftsführer Reiner Roghmann. Derzeit sind in den Werken 1.900 Mitarbeiter beschäftigt. Die Anlagen arbeiten auf technisch höchstem Niveau. Sicherheit und Umweltschutz haben absolute Priorität. "Wir sind stolz auf das Erreichte einschließlich der begleitenden Maßnahmen zur Boden- und Grundwassersanierung", so Roghmann weiter, "wissen aber auch, dass dies ohne Unterstützung der öffentlichen Hand nicht möglich gewesen wäre.“ Darauf will sich Dow nicht ausruhen: "Als Mitglied der Umweltallianz Sachsen ist es uns wichtig, aktiv weiter an der Sanierung mitzuwirken, vor allem unser Wissen und Technik zur Verfügung zu stellen.“ So hat sich Dow bereit erklärt, die zentrale Abwasserreinigungsanlage des Unternehmens auch für die Reinigung des kontaminierten Grundwassers zur Verfügung zu stellen.

Seit Mitte der 1990er Jahre wurden bereits rund zwanzig Millionen Euro in das Ökologische Großprojekt Böhlen investiert, vor allem, um den Standort zu erkunden. Im Zuge der Neu-Investitionen erfolgten zwischen 1995 und 2008 zudem umfangreiche Bodensanierungen und Vorbereitungen für den Neubau von Anlagen. "Im Ergebnis muss man sich eingestehen, dass das Schadstoffpotential sowie die Belastung des Grundwassers derart hoch und weit ausgebreitet sind, dass eine vollständige Dekontaminierung des Standortes aus Gründen der Verhältnismäßigkeit ausscheidet“, unterstreicht Landrat Gerhard Gey als Leiter der zuständigen Bodenschutzbehörde. "Wichtig ist, dass wir zunächst die Kontrolle über den Schaden gewinnen und ihm so aktiv entgegen wirken können." Dazu haben Dow, der Landkreis und der Freistaat Sachsen die Grundwasserleiter und die Ausbreitung der Schadstoffe untersucht, um drei geeignete Standorte zu finden, an denen in das kontaminierte Grundwasser des Südwestabstroms in Richtung des Abbaufeldes Peres im Tagebau Vereinigtes Schleenhain eingegriffen wird. An zwei Standorten wird über Brunnen hochkontaminiertes Grundwasser gehoben und in der Abwasserreinigungsanlage der Dow gereinigt. Am dritten Standort, dem Rand der Abstromfahne, wird über eine 400 Meter lange Drainage in zwölf Metern Tiefe das Grundwasser abgefangen und gereinigt. Damit kann zum einen verhindert werden, dass sich der Grundwasserschaden weiter ausbreitet. Zum anderen wird langfristig, allerdings über Generationen hinweg, das Schadstoffpotential verringert.

Das Know-how für die Drainage kommt von der MIBRAG. Diese entwickelt das Abbaufeld Peres an der Kante des Sanierungsgebietes. "Wir haben den Tagebau in Abstimmung mit den zuständigen Behörden so geplant, dass mit der ohnehin erforderlichen Wasserhaltung gleich ein Beitrag für die Altlastensanierung geleistet werden kann", führt Dr. Joachim Geisler aus. Die MIBRAG verfügt über große Erfahrung auf dem Gebiet der Wasserhaltung, die so der Umwelt zugutekommt.

Für die Sanierung der Altlasten in Böhlen sind noch rund 50 Millionen Euro veranschlagt. Mit der Unterzeichnung der Grundsatzvereinbarung haben die Beteiligten ein gemeinsames Vorgehen bei der weiteren Sanierung vereinbart.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Brigitte Laux.