Rund eine Million Menschen kamen nach dem Zweiten Weltkrieg als Vertriebene nach Sachsen - viele von ihnen auch ins Muldenland. In den Dörfern erhielten rund 7000 von ihnen eine Neubauernstelle. Manchmal künden noch Straßennamen wie die Neubauernstraße in Ammelshain von ihrem Schicksal. Ein Forschungsvorhaben des Instituts für sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV) Dresden ist nach 65 Jahren der historischen Spurensuche gewidmet. Unter dem Thema "Fremde - Heimat - Sachsen: Vertriebene als Neubauern" sucht Dr. Ira Spieker für eine umfassende Studie Menschen, die Auskunft über das Schicksal der Vertriebenen, ihren Start als Neubauern in sächsischen Dörfern, ihre allmähliche Anpassung an ein neues Dorfgefüge und ihren eigenen Beitrag zur Entwicklung der "neuen Heimat" geben können.

Bisher seien Vertriebenenschicksale im ländlichen Raum vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg dokumentiert worden. In Sachsen lägen zwar ausreichend Erkenntnisse über die Bodenreform und die Schaffung von Neubauernstellen vor, jedoch nie aus der Perspektive der betroffenen Menschen, begründet Ira Spieker ihr wissenschaftliches Engagement. Sie hat sich zwei Regionen ausgesucht, wo besonders viele nach dem Krieg eine neue Heimat fanden - das Muldental und die Oberlausitz um Bautzen. Bis in die dritte Generation bleiben Flucht, Vertreibung und Neubeginn in den Familien ein Thema. Ira Spieker ist daher an gründlichen Interviews mit Zeitzeugen interessiert. "Das müssen nicht nur ehemalige Umsiedler und ihre Kinder sein, sondern durchaus auch alteingesessene Dorfbewohner, die als Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunde oder in dörflicher Verantwortung das Geschehen nah miterlebten."

Als Ergebnis der Studie wird in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung ein Buch entstehen, das sowohl die Lebenswelten dokumentiert als auch staatliche Integration und Förderung beleuchtet. Parallel dazu bereiten die Wissenschaftler eine Wanderausstellung für das sächsische Innenministerium vor.

Interessenten können direkt Kontakt zur Wissenschaftlerin aufnehmen:

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Email: ira.spieker@mailbox.tu-dresden.de
Telefon: 0351-4361643 oder 4361650 (Sekretariat)







Kontakt für Rückfragen:
Dr. Ira Spieker
Institut für sächsische Geschichte und Volkskunde
Zellescher Weg 17 in 01069 Dresden

http://www.isgv.de/

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Petra Klaeffling.